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© Günter Seggebäing, CC BY-SA 3.0

Soziale Marktwirtschaft
ist Kult!

Der Begriff Soziale Marktwirtschaft wurde von Alfred Müller-Armack erfunden. Er war Professor für Staatliche Wirtschaftswissenschaften an der Universität zu Köln und späterer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium unter Ludwig Erhard. Den Namen „Soziale Marktwirtschaft“ verwendete er erstmals in der im Dezember 1946 fertiggestellten und 1947 erschienenen Schrift „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“.

 

Ihm kam der geniale Gedanke für die heute so bekannte Marke „Soziale Marktwirtschaft“ in dem an der holländischen Grenze gelegenen Herz-Jesu-Kloster in Vreden-Ellewick. Dorthin war im Juli 1943 die Forschungsstelle für Allgemeine und Textile Marktwirtschaft der Universität Münster, die Müller-Armack seit 1941 leitete, verlegt worden. Die Vredener Canisianerbrüder berichten in ihrer Chronik von seinem berühmten Ruf auf der Klostertreppe: "Nun weiß ich, wie es heißen muss“! ‚Soziale Marktwirtschaft‘ muss es heißen! ‚Sozial‘ mit großem ‚S‘!“

Diese historische Tatsache wurde zuerst vom Vredener Textiler Carl-Gerd Hecking entdeckt und danach durch den Historiker Dr. Hermann Terhalle aufbereitet und veröffentlich. Im Laufe der letzten Jahre ist sie in ein größeres öffentliches Bewusstsein gelangt, insbesondere durch die Fachtagung am 28. Juni 2017 "70 Jahre Soziale Marktwirtschaft - made in Vreden" und dem darauf basierenden gleichnamigen Buch sowie der Veröffentlichung von Dr. Claus Hecking auf Spiegel Online.

Warum ist die Soziale Marktwirtschaft Kult?

1952, als die ersten Erfolge der wirtschaftlichen Erholung im Nachkriegsdeutschland erkennbar und spürbar waren, führt er hierzu aus: »Es handelt sich nicht nur um die Gestaltung einer ökonomischen Ordnung, vielmehr bedarf es der Eingliederung dieser Ordnung in einen ganz- heitlichen Lebensstil.«

 

Programmatisch fordert Müller-Armack die Versöhnung von wirtschaftlicher Effizienz und gesellschaftlichem Wollen, die zugleich auf einer Versöhnung unterschiedlicher Vorstellungen inner- halb der Gesellschaft beruhen müsse. Diese Versöhnung auf gesellschaftlicher Ebene ist der Leitgedanke der von ihm geforderten Idee einer »sozialen Irenik«.

 

Jetzt kommt der bildungsbürgerliche Teil in diesem Abschnitt: Abgeleitet vom griechischen Begriff είρήνη (Frieden, Versöhnung) geht es darum, mittels einer sozialen Irenik Möglichkeiten für eine »die Weltanschauungen verbindende Sozialidee« aufzuzeigen. Nicht um die einzelnen Positionen einzuebnen, sondern – so die Hoffnung von Müller-Armack – um in gegenseitiger Achtung an dem Problem der sozialen Gestaltung mitzuwirken: »So kann unsere Hoffnung auf eine mögliche Einheit nur die der Irenik sein, einer Versöhnung, die das Faktum der Gespaltenheit als gegeben nimmt, aber ihm gegenüber die Bemühung um eine gemeinsame Einheit nicht preisgibt.«

 

Hieraus erwächst dann das Fundament für eine wahrhaft Soziale Marktwirtschaft:

Vielmehr bedarf jede freie Ordnung dazukommender Sicherungen, um ihr eine den heutigen sittlichen Überzeugungen entsprechende Gestalt zu geben. Irenisches Denken bedeutet auch hier, in vielfacher Perspektive denken zu können, sich des steten, unabdingbaren Zieles zu vergewissern und zugleich mit den technischen Prinzipien vertraut zu sein, nach denen man soziale Ziele realiter erreicht.

Die Soziale Marktwirtschaft ist nicht einfach nur eine von vielen Theorien für Wirtschaft und Gesellschaft. Denn seit ihren ersten Anfängen vor 75 Jahren ist sie mehr als ein wissenschaftliches Modell oder eine abstrakte rein gedankliches Philosophie. Sie wird kultiviert, sie lebt und gedeiht: Als bis heute gültige Gesellschaftsordnung, die jeden Tag erfolgreich zum Wohle der Menschen funktioniert. Und sie ist zudem, seit ihrer Erfindung in Vreden nach dem Zweiten Weltkrieg, einer der wichtigsten Garanten für wirtschaftlichen Ausgleich und Frieden.

 

Wir sagen deshalb: Die Soziale Marktwirtschaft ist Kult.

Die Geburt einer zukunftsweisenden Idee

Soziale Marktwirtschaft mit großem „S“

Soziale Marktwirtschaft mit großem „S“ – Alfred Müller-Armack und die Geburt einer zukunftsweisenden Idee


Film, 2022, 6:18 Minuten


Ein Beitrag im Rahmen der Politischen Bildung der